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Wieder unter Deutschlands Besten

Rauchbeinschule verteidigt Titel aus dem Vorjahr/ DM abgesagt

„Wie schafft ihr das denn immer wieder?“, wunderte sich Konrektorin Ulrike Müller über die erneute Qualifikation der Schachmannschaft für die Deutsche Meisterschaft – und das zum vierten Mal in Folge! In der Tat kam das Erringen der Württembergischen Grundschulmeisterschaft nach dem altersbedingten Ausscheiden der letztjährigen Brett-1- und Brett-2-Spieler durchaus überraschend.

Doch Simon Schaal (Klasse vier) und Johannes Lillich (Klasse drei), die auf Brett eins und zwei vorrückten, kamen dort bestens zurecht. Zudem fand Schachlehrer Wernfried Tannhäuser in seiner Schach-AG mit Thanusan Sathanandarajah und Kosta Kostov (beide Klasse vier) zwei Jungs, die an den beiden hinteren Brettern stark aufspielten. Zuerst musste aber die Qualifikation zur Württembergischen Meisterschaft auf Bezirksebene, die vom regionalen Schulschachreferenten Arno Reindl in der evangelischen Schule in Lindach ausgetragen wurde, geschafft werden. Hier lief es unerwartet gut, denn die jungen Rauchbeiner zeigten sich im Zehnerfeld überraschend stark. In acht der neun Begegnungen erspielten sie hohe Siege, aber gegen Sontheim reichte es nur zum 2:2-Unentschieden. Deshalb kam das Rauchbeinteam bei gleicher Punktzahl, aber mit einem halben Partiepunkt weniger hinter Sontheim auf Platz zwei ins Ziel – vor dem starken Team aus Spraitbach. Alle drei Schulmannschaften waren damit qualifiziert zur Württembergischen Meisterschaft, die wieder in Lindach stattfand. 

Hier trat das Rauchbeinteam als Titelverteidiger an und Betreuer Wernfried Tannhäuser hoffte nach der starken Leistung im Bezirksfinale auf Platz drei, der die erneute Teilnahme bei den Deutschen ermöglichen würde. Und es sollte im Feld der insgesamt 14 Teams richtig gut laufen. In der ersten Runde wurde die Schule aus Kirchheim (Platz drei in der Abschlusstabelle) mit 3:1 und die Bruckenackerschule aus Filderstadt (Platz zwölf) mit 4:0 besiegt. Danach ging es mit dem knappen 2,5:1,5 gegen Plieningen (Platz vier) richtig eng zu, doch das 4:0 über Rommelshausen (Platz zehn) festigte die Tabellenführung mit zwei Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Dieser war die Innenstadtschule Tübingen (Platz zwei) und der nächste Gegner. Hier schien der Sieg greifbar nahe, doch durch Unachtsamkeiten lag das Team 1:2 zurück. Jetzt behielt Brett-Eins-Spieler Simon Schaal die Nerven und holte mit seinem Partiegewinn das wichtige 2:2. In den beiden letzten Begegnungen ließen die Rauchbeinschüler nichts mehr anbrennen Und besiegten die Winkelwiese Grundschule aus Tübingen (Platz neun) mit 3:1 und die Schule aus Stuttgart (Platz sieben) mit 3,5:0,5. Wie im Vorjahr unbesiegt und diesmal mit zwei Punkten Vorsprung gelang souverän die Titelverteidigung. An diesem unerwarteten Erfolg waren alle vier Spieler der Mannschaft gleichermaßen beteiligt. Die Erfolgsquoten aus den 16 Partien beider Turniere: Simon Schaal (15/16), Johannes Lillich (13/16), Thanusan Sathanandarajah (12/16) und Kosta Kostov (13,5/16). Dem entsprechend stolz war natürlich Schachlehrer Wernfried Tannhäuser, der sich wie die Schüler auf die „Deutsche“ in Friedrichroda in Thüringen freute.

Die deutsche Meisterschaft wurde abgesagt – dafür ein Onlineturnier

Es wurde nichts aus der vierten Teilnahme in Friedrichroda, denn coronabedingt musste diese abgesagt werden. Um einen gewissen Ersatz zu bieten, organisierte die deutsche Schachjugend ein Onlineturnier, an dem aber nicht mehr alle über 70 qualifizierten Teams teilnehmen durften, sondern nur die Landesmeister – darunter auch die Rauchbeinschule. Insgesamt waren es 24 Mannschaften, unter denen die Rauchbeinschule nach der Spielstärke auf Platz 18 gesetzt war.

In der „eule“ bestens aufgehoben

Um beste technische Voraussetzungen zu haben, durfte das Team der Rauchbeinschule nach Vermittlung des Leiters des Amtes für Bildung und Sport, Klaus Arnholdt, an den Computern der Wissenswerkstatt „eule“ spielen. Hier wurde das Team mit ihren Betreuern (neben Wernfried Tannhäuser halfen Claudia Schaal und Gunther Lillich mit) von Michael Friedel und Lukas Weber freundlich empfangen und hervorragend betreut. In drei Testturnieren, bei denen mit einer Bedenkzeit von drei Minuten plus zwei Sekunden pro Zug im Blitztempo gespielt werden musste, sollten sich die Schüler mit dem Spielen im Internet vertraut machen. Doch das wurde eine zähe Angelegenheit, denn die Turnierleitung hatte mit massiven technischen Problemen zu kämpfen. So entstanden lange Wartezeiten, welche die Schüler auch zum Spielen am hauseigenen „Kicker“ nutzten. 

Dass es keine vollwertige Meisterschaft sein würde, sollte sich in den sieben Runden des eigentlichen Turnieres zeigen. Hier wurde mit einer Bedenkzeit von 15 Minuten gespielt. Die Schüler waren es jedoch gewöhnt zu „blitzen“, ließen sich zu wenig Zeit, und mussten sich am ersten Spieltag mit drei Niederlagen zufrieden geben. Für die vier Runden des zweiten Spieltags hieß es, ein paar Punkte zu sammeln, um vom Tabellenende wegzukommen. Das gelang auch mit drei Unentschieden und einer knappen Niederlage. Allerdings wurden auch hier einige Möglichkeiten und eine bessere Platzierung vergeben. Zum Schluss blieb Platz 22 unter Deutschlands besten Grundschulmannschaften - Deutscher Meister wurde das Team aus Kaiserslautern. 

Dennoch ist Schachlehrer Wernfried Tannhäuser mit seinem Team mehr als zufrieden. „Vier Jahre nacheinander unter Deutschlands besten Teams zu sein, ist eine stolze Bilanz!“ Möglich macht das auch die enge Zusammenarbeit mit der Schachgemeinschaft Schwäbisch Gmünd 1872, bei der alle jungen Spieler der erfolgreichen Mannschaften Mitglied geworden sind.

Das erfolgreiche Rauchbeinteam (von links): Kosta Kostov, Thanusan Sathanandarajah, Johannes Lillich Simon Schaal, mit Betreuer Wernfried Tannhäuser.

(Mutter von Brett-Eins-Spieler Simon Schaal)

„Die Schach-AG ist eine tolle Sache. Hier lernen die Kinder sich zu konzentrieren, bei einer Sache zu bleiben, aber auch verlieren zu können. Die Erfolge der letzten Jahre sind großartig und die Deutschen Meisterschaften in Friedrichroda waren ein eindrucksvolles Erlebnis. Daran kann sich die Online-Meisterschaft natürlich nicht messen“.

(Vater von Brett-Zwei-Spieler Johannes Lillich)

„Es war für mich kaum zu glauben, dass die Kinder sich so für Schach begeistern.  Schon mein zweiter Sohn spielt hier mit und im nächsten Jahr wird wohl mein dritter dabei sein. Schach ist angewandte Schule, hat wenig mit Glück zu tun und stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder.

Die Deutsche Meisterschaft in Friedrichroda war ein Highlight für die Kinder“.

Simon (links, Brett-Eins-Spieler):

„Ich bin seit der zweiten Klasse dabei, bin besser geworden und jetzt das dritte Jahr in der Schulmannschaft. Die Deutsche Meisterschaft war der Höhepunkt und ich wäre dieses Jahr das dritte Mal in Friedrichroda dabei - schade. Mir macht es Spaß, sich Züge auszudenken, auf Turnieren Spieler anderer Schulen zu treffen – und auch mal von der Schule befreit zu werden“.

Johannes (rechts, Brett-Zwei-Spieler):

„Ich bin gerne bei der Schach-AG. Mir macht Spaß, was wir dort machen, z.B. mit Arbeitsblättern Lösungen von Problemen finden. Friedrichroda war super. Richtige Turniere mit echten Partnern machen Spaß – das Online-Spielen ist nicht so gut.

Thanusan (links, Brett-Drei-Spieler):

„Ich komme aus Sri Lanka und bin jetzt drei Jahre in der Schach-AG. Ich habe immer wieder etwas dazugelernt, bin immer besser geworden und habe es jetzt in die Schulmannschaft geschafft. Ganz stolz bin ich darauf, dass wir Württembergischer Meister geworden sind“. 

Kosta (rechts, Brett-Vier-Spieler):

„Ich habe zwar schon etwas Schach spielen können, bin aber erst seit September in der Schach-AG. Es hat mir gleich Spaß gemacht und ich bin so gut geworden, dass ich in die Schulmannschaft durfte. Früher habe ich zuhause immer gegen meinen Papa verloren – jetzt gewinne ich! Das Online-Spielen hat mir auch Spaß gemacht“.

Die Siegerehrung: Regionaler Schulschachreferent Arno Reindl (links) und der Württ. Schulschachreferent Bernd Grill (rechts) gratulieren dem Rauchbeinteam zur Württ. Meisterschaft 2020 und damit zur Titelverteidigung aus dem Vorjahr.